[Viernheim] „Nordmark-Versand“, NPD und „Freie Nationalisten“

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Seit rund vier Jahren betreibt der Nazi Jean Christoph Fiedler in Viernheim (Hessen) den „Nordmark-Versand“. Ursprünglich stammt der umtriebige Aktivist aus Schleswig-Holstein und war dort bei den „Freien Nationalisten Eckernförde“ (FNE) eine der Führungspersonen. Die FNE unterhielten enge Kontakte zu regionalen NPD-Strukturen. Fiedler und seine „Kameraden“ nahmen regelmäßig an Aufmärschen der rechten Szene in Schleswig-Holstein teil – unter anderem am 31.3.2007, am 29.3.2008 und am 28.3.2009 in Lübeck, wo die Nazis mit einem „Trauermarsch“ an den alliierten Bombenangriff von 1942 erinnern wollten. Fiedler betrieb zumindest zeitweise auch den Internetauftritt der FNE.

 

Aber nicht nur an Propagandaaktionen von Kameradschaften und der NPD beteiligten sich die FNE. Einige Mitglieder der Kameradschaft fielen auch durch gewalttätige Angriffe auf Andersdenkende auf. So war Jean Christoph Fiedler am 27.3.2007 vermutlich zusammen mit mindestens vier weiteren Nazis der „Freien Nationalisten Eckernförde“ am Überfall auf linke Teilnehmer_innen eines Kickerturniers in Rieseby beteiligt.
2008 soll der Nazi dann nach Berlin gezogen sein, und durch einen Lottogewinn im Jahr 2010 sei er finanziell relativ unabhängig.

Mindestens seit August 2012 führt Fiedler von Viernheim aus seinen „Nordmark-Versand“. Bei dem Internethandel (nach eigenen Angaben „im Aufbau“) gibt es vieles, was das Naziherz begehrt. Neben T-Shirts („T-Hemden“) mit einschlägigen Motiven finden sich auch antisemitische Buttons oder Anstecker mit Motiven der so genannten Autonomen Nationalisten. Dazu gibt es den üblichen Nazi-Merch wie zum Beispiel Tassen („Odin statt Jesus“).

2012 wird auch das Facebook-Profil „Christoph Nordmark“ eingerichtet. Das Titelbild zeigt das Logo des „Nordmark-Versands“. Dem Facebook-User „gefällt“ unter anderem der Nazi-Tätowier-Laden „Pik Ass Tattoo“ Marco Berlinghof von den „Hammerskins“ sowie die Seiten „NPD Viernheim“ und die NPD-Ableger-Seite „Asylflut stoppen – auch in Sinsheim“.

Am 18.8.2012 findet das gemeinsame Sommerfest der „Freien Nationalisten Kraichgau“ (FN Kraichgau) und der „JN Heilbronn-Hohenlohe“ in Sinsheim statt. Die  Nazis versammeln sich auf einem Privatgelände im Stadtteil Dühren und lauschen dort u.a. einem Vortrag des JN-Bundesgeschäftsführes Julian Monaco. Mit einem Verkaufsstand vertreten ist u.a. der „Nordmark-Versand“ von Jean Christoph Fiedler.

Die seit Herbst 2012 im Internet aktive „Heimattreue Bewegung Odenwald/Bergstraße“, eine eng mit der NPD Rhein-Neckar verbandelte Papiertiger-Gruppierung, listet Fiedlers „Nordmark-Versand“ als „Partner“ – neben anderen Nazi-Gruppierungen und Versänden wie der „Gjallarhorn Klangschmiede“ des „Hammerskin“-Funktionärs Malte Redeker oder den FN Kraichgau.

Fiedler nimmt am 23.3.2013 an der „Mahnwache gegen Kinderschänder“ von NPD und FN Kraichgau in Sinsheim teil, welche die Nazis seit 2011 regelmäßig im Frühjahr durchführen.

Am 21.9.2013 veranstalten die NPD Rhein-Neckar und die FN Kraichgau in Sinsheim eine Kundgebung unter dem Motto „Linke Gewalttäter stoppen – NPD in den Bundestag!“. Zuvor war ein NPD-Infostand zur Bundestagswahl in Sinsheim von Antifas angegriffen worden. Neben lokalen Nazis und Anhänger_innen der rechten Szene aus Heilbronn ist am 21.9. auch Jean Christoph Fiedler dabei.

Nazis provozieren in Sinsheim am Rande einer Kundgebung zum Internationalen Frauentag (8.3.2014). Neben Patrick Hillenbrand und Timo Feldpausch (beide FN Kraichgau) sowie  Markus Walter und Jan Jaeschke (NPD) ist auch Fiedler dabei. Die Nazis waren zuvor bereits gemeinsam bei einer Kundgebung der „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) in Heilbronn, an der etwa 25 Rechte teilgenommen hatten.

Rund 50 Nazis demonstrieren am 5.4.2014 in Sinsheim „gegen Kinderschänder“. Zur Demo gibt es das passende T-Shirt mit der Aufschrift „Sinsheim gegen Kinderschänder“ in Fiedlers Versandhandel. Neben NPDler_innen aus Rheinland-Pfalz, Heilbronn und der Rhein-Neckar-Region, nehmen auch Nazis aus dem Kraichgau zwischen Wiesloch, Sinsheim und Eppingen teil. Jean Christoph Fiedler trägt zusammen mit dem FN-Kraichgau-Nazi und NPD-Ortsvorsitzenden Johannes Bachmann das Fronttransparent.

Am 1.5.2014 nimmt Fiedler an der Demonstration von NPD und anderen Nazi-Gruppierungen in Kaiserslautern teil. Er reist zusammen mit FaschistInnen von FN Kraichgau, NPD Rhein-Neckar und weiteren Parteigliederungen an.

Zum Wahlkampfabschluss zu den baden-württembergischen Kommunalwahlen führen NPD und FN Kraichgau am 23.5.2014 in Sinsheim eine „Spontandemonstrration“ durch. Mit dabei: Jean Christoph Fiedler.

Im Zuge der Neugründung diverser NPD-Ortsverbände – die meisten davon sind Papiertiger – taucht Ende 2014 erstmals eine „NPD Viernheim“ auf. Dort ist auch Fiedler zu verorten. Obwohl Viernheim rein geographisch zum NPD-Kreisverband Südhessen gehört, treibt sich Fiedler bevorzugt mit seinen Kamerad_innen von den Kreisverbänden Rhein-Neckar, Heilbronn und Südwestpfalz herum.

Jena Christoph Fiedler reist im Februar 2015 zusammen mit dem NPD-Kreisvorsitzenden Jan Jaeschke (Weinheim) und der JN-Funktionärin Isabel Zentarra(Heilbronn) nach Hamburg und hilft im dortigen Bürgerschaftswahlkampf. Die NPD-Anhänger_innen nehmen an einer Kundgebung am 7.2.2015 teil, bei auch die Hamburger Nazis Christian Worch („Die Rechte“) und Thomas „Steiner“ Wulff sprechen.