Den Na­zi­auf­marsch in Wolfs­burg ver­hin­dern! KEIN „Tag der deutschen Zukunft“ 2013

Den Na­zi­auf­marsch in Wolfs­burg ver­hin­dern! KEIN „Tag der deutschen Zukunft“ 2013Unter dem Motto „Tag der deut­schen Zu­kunft“ wol­len Nazis am 1. Juni 2013 in Wolfs­burg auf­mar­schie­ren und ihr ras­sis­ti­sches und na­tio­na­lis­ti­sches Ge­dan­ken­gut auf die Stra­ße tra­gen. Unter dem­sel­ben Motto fan­den be­reits Auf­mär­sche in Pin­ne­berg, Hil­des­heim, Braun­schweig/Peine und Ham­burg statt. Mitt­ler­wei­le hat sich der „Tag der deut­schen Zu­kunft“ zu einem der wich­tigs­ten jähr­li­chen Er­eig­nis­se für Nazis in Nord­deutsch­land ent­wi­ckelt. Aber auch der Wi­der­stand stei­gert sich jedes Jahr.

Auf Grund der star­ken an­ti­fa­schis­ti­schen Mo­bi­li­sie­rung im Vor­feld gegen den Auf­marsch in Braun­schweig 2011, wurde le­dig­lich eine Kund­ge­bung er­laubt. Die Nazis muss­ten nach Peine aus­wei­chen, wo sich ihnen wie­der zahl­rei­che Men­schen in den Weg stell­ten, nur durch das ge­walt­sa­me Vor­ge­hen der Po­li­zei, war es ihnen mög­lich zu mar­schie­ren. Auch in Ham­burg tra­ten meh­re­re tau­send An­ti­fa­schis­tIn­nen den Nazis ent­schlos­sen ent­ge­gen. Erst mit gro­ßer Ver­spä­tung und auf stark ge­kürz­ter Route, die immer wie­der ge­än­dert wer­den muss­te, konn­ten sie lau­fen. Auch dies­mal war es die Po­li­zei, die ihnen den Raum schuf, sich zu be­we­gen.

Wir wer­den nicht ta­ten­los zu­se­hen, wenn die Nazis in Wolfs­burg ver­su­chen ihren Auf­marsch durch­zu­füh­ren. Dem wer­den wir ent­schlos­sen und mit allen Mit­teln ent­ge­gen­tre­ten!

Be­tei­ligt euch am 1. Juni 2013 an den an­ti­fa­schis­ti­schen Ak­tio­nen in Wolfs­burg damit wir den Na­zi­auf­marsch ge­mein­sam ver­hin­dern!

DE­MONS­TRIE­REN! – STÖ­REN! – BLO­CKIE­REN! – VER­HIN­DERN!

Deut­sche Zu­kunft“? Bleib mir vom Leib damit!

Hin­ter der Pa­ro­le einer deut­schen Zu­kunft steckt deut­sche Ver­gan­gen­heit. „Deutsch­land den Deut­schen“ steht in di­rek­ter Tra­di­ti­on der Blut- und Bo­den­ideo­lo­gie des deut­schen Fa­schis­mus und das Ge­re­de von „Über­frem­dung“ sug­ge­riert, es gebe eine eth­nisch-kul­tu­rell ho­mo­ge­ne Ge­mein­schaft, die es vor An­grif­fen von außen zu schüt­zen gelte. Diese Kon­struk­ti­on einer bio­lo­gisch de­ter­mi­nier­ten Schick­sals­ge­mein­schaft führt zur ge­walt­tä­ti­gen Aus­gren­zung und Er­mor­dung derer, die nicht in ihr ras­sis­ti­sches und männ­lich­keits­ori­en­tier­tes Welt­bild pas­sen.

Mit dem Auf­marsch in Wolfs­burg wol­len und kön­nen die Nazis auch an ras­sis­ti­sche Ein­stel­lun­gen der Mehr­heits­ge­sell­schaft an­knüp­fen: Große Schnitt­men­gen zeig­te zu­letzt eine Stu­die der Fried­rich-Ebert-Stif­tung auf, wo­nach ein Vier­tel der Deut­schen ras­sis­ti­sche Auf­fas­sun­gen ver­tre­ten. Als selbst er­nann­tes Sprach­rohr für das, was alle den­ken, sich aber nie­mand traue aus­zu­spre­chen, trat SPD-Mit­glied Thilo Sar­ra­zin auf, der pro­pa­gier­te, Deut­sche könn­ten zu einer Min­der­heit wer­den, und Deutsch­lands Gren­zen am liebs­ten dicht ma­chen würde. Dabei be­dient er sich neben kul­tur­ras­sis­ti­schen Ar­gu­men­ten auch kru­der Bio­lo­gis­men, wenn er be­haup­tet, Mi­gran­tIn­nen seien eine „ge­ne­ti­sche Be­las­tung“. Auch CSU-Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer hätte es nicht deut­li­cher sagen kön­nen, als er mit der Äu­ße­rung, er werde sich „bis zur letz­ten Pa­tro­ne gegen eine Zu­wan­de­rung in die deut­sche So­zi­al­sys­te­me sträu­ben“, auf Stim­men­fang ging.

Staat und Fa­schis­ten Hand in Hand

Wenn über Nazis ge­spro­chen wird, sagen viele, dass die sich von al­lei­ne er­le­di­gen wer­den, wenn sie kei­ner be­ach­tet. Was dabei her­aus­kommt, wenn Nazis auf Teu­fel komm raus igno­riert wer­den, wurde uns erst im No­vem­ber 2011 wie­der blu­tig vor Augen ge­führt. Über 10 Jahre konn­te eine be­waff­ne­te Un­ter­grund­grup­pe, die sich selbst als „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Un­ter­grund“ (NSU) be­zeich­ne­te, unter den Augen der Be­hör­den zahl­rei­che Morde, An­schlä­ge und Bank­über­fäl­le be­ge­hen. Die Po­li­zei, Po­li­tik und Me­di­en waren sich sehr schnell einig, dass sich hin­ter den Mor­den „aus­län­di­sche, kri­mi­nel­le“ Ma­chen­schaf­ten ver­ber­gen wür­den und prä­sen­tier­ten der Öf­fent­lich­keit die so­ge­nann­ten „Dö­ner­mor­de“. Kaum je­mand, außer den Freun­dIn­nen und An­ge­hö­ri­gen der Mordop­fer, schien die Er­klä­run­gen für die Morde an­zu­zwei­feln, ge­schwei­ge denn, Nazis als Mör­der über­haupt in Be­tracht zu zie­hen. Noch 2008 ließ der da­ma­li­ge nie­der­säch­si­sche In­nen­mi­nis­ter Uwe Schü­ne­mann nach di­ver­sen Waf­fen­fun­den in Süd­nie­der­sach­sen ver­lau­ten, Nazis hätte nur eine Af­fi­ni­tät zu Waf­fen, sie wür­den sie aber nicht ein­set­zen, wes­halb auch keine Ge­fahr von ihnen aus­ge­he.

Seit Auf­nah­me der Ar­beit der „Un­ter­su­chungs­kom­mis­sio­nen“ wer­den immer wie­der ent­spre­chen­de Akten durch den Ver­fas­sungs­schutz ge­schred­dert – an­geb­lich jedes Mal aus Ver­se­hen. Man muss schon ver­dammt viel guten Wil­len, bes­ser ge­sagt Nai­vi­tät, auf­brin­gen, um bei all den an­geb­li­chen „Pan­nen“, “Un­ge­reimt­hei­ten“, „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schwie­rig­kei­ten“ und „struk­tu­rel­len Pro­ble­men“ das Ge­fa­sel von „Ver­se­hen“ noch zu glau­ben. Viel­mehr spricht alles dafür, dass we­nigs­tens Teile der Ge­heim­diens­te und der Po­li­zei­be­hör­den aktiv den Ter­ror des NSU ver­tuscht, ge­schützt und ge­stützt haben.

Die Un­ter­stüt­zung von Nazis hat bei den deut­schen Ge­heim­diens­ten be­reits eine lange Tra­di­ti­on. Nach dem zwei­ten Welt­krieg wur­den diese mit maß­geb­li­cher Be­tei­li­gung von Na­zi­funk­tio­nä­ren auf­ge­baut. Es ist nicht das erste Mal, dass west­li­che Ge­heim­diens­te Nazis mit Waf­fen ver­sor­gen. Ab den 1950er Jah­ren bis zum Ende der So­wjet­uni­on fi­nan­zier­ten und bil­de­ten west­eu­ro­päi­sche Ge­heim­diens­te und die CIA pa­ra­mi­li­tä­ri­sche Na­zi­ein­hei­ten aus, die bei einem po­ten­zi­el­len Krieg gegen die So­wjet­uni­on Ter­ror und Sa­bo­ta­ge­ak­te ver­üben soll­ten. Nach ihrem ita­lie­ni­schem Ab­le­ger wird diese Or­ga­ni­sa­ti­on seit ihrer Auf­de­ckung in den 1990er Jah­ren „Gla­dio“ ge­nannt. Der Fall NSU ist also kei­nes­wegs ein Ver­sa­gen, son­dern Aus­druck der Kon­ti­nui­tät in­ner­halb die­ser In­sti­tu­ti­on. Aus den per­so­nel­len und ideo­lo­gi­schen Über­schnei­dun­gen er­gibt sich bis heute ihre kon­se­quen­te Ver­fol­gung lin­ker Struk­tu­ren bei gleich­zei­ti­ger Un­ter­stüt­zung fa­schis­ti­scher Ter­ror­grup­pen.

Mit ak­tu­el­len „Bil­dungs­an­ge­bo­ten“, Aus­stel­lun­gen und Ver­an­stal­tun­gen an Schu­len, Rat­häu­sern oder in an­de­ren ge­sell­schaft­li­chen Be­rei­chen ver­sucht der Ver­fas­sungs­schutz, mit ideo­lo­gi­scher Rü­cken­de­ckung aus den Rei­hen der schwarz-gel­ben Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on, in der Öf­fent­lich­keit die so­ge­nann­te Ex­tre­mis­mus­theo­rie als das Maß der Dinge durch­zu­set­zen. Eben jene, die für Krieg, Na­zi­ter­ror, Ab­schie­bun­gen und der­glei­chen die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen be­reit­stel­len, bas­teln sich eine ge­sell­schaft­li­che Mitte (in der sie selbst ste­hen) und einen darum her­um­lau­fen­den Rand. Je nach ge­sell­schaft­li­chen Kräf­te­ver­hält­nis­sen, wird dann mal dies oder dann mal das als „links­ex­trem“, „rechts­ex­trem“ oder als „aus­län­di­scher Ex­tre­mis­mus“ ver­kauft – auf jeden Fall wird es als nicht zur „Mitte“ ge­hö­rend dar­ge­stellt und ist ent­spre­chen­der ge­sell­schaft­li­cher Äch­tung bzw. staat­li­cher Re­pres­si­on aus­ge­setzt. So wird das Be­kennt­nis zu einem an­ti­fa­schis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis und die Be­tei­li­gung an Blo­cka­den be­reits als „links­ex­trem“ dif­fa­miert und durch den Staat kri­mi­na­li­siert.

Un­se­re Po­li­tik endet nicht mit dem Kampf gegen Na­zi­auf­mär­sche. Uns geht es nicht aus­schließ­lich darum, der NPD oder an­de­ren Na­zi­grup­pen ent­ge­gen­zu­tre­ten, son­dern sich jedem ras­sis­ti­schen und na­tio­na­lis­ti­schem Den­ken und Han­deln zu wi­der­set­zen – egal wo und wie es sich zeigt. Neben der Not­wen­dig­keit, den Nazis das Leben so schwer wie mög­lich zu ma­chen, gilt es auch, die Ur­sa­chen zu be­kämp­fen, die zur Ent­wick­lung re­ak­tio­nä­rer Ein­stel­lun­gen füh­ren. Dafür ist es wich­tig, die Per­spek­ti­ve einer eman­zi­pa­to­ri­schen, fort­schritt­li­chen Ge­sell­schaft zu for­mu­lie­ren und vor­an­zu­trei­ben! Wir las­sen uns dabei weder von einem Staat ein­schüch­tern, der den Na­zi­ter­ror erst mög­lich macht, noch las­sen wir uns un­se­re Pro­test­for­men von die­sem Staat oder an­de­ren In­sti­tu­tio­nen dik­tie­ren! Ein “Ge­sicht zei­gen gegen Rechts”, eine “Meile der De­mo­kra­tie” mit Gril­len und Sau­fen gegen Rechts oder an­de­re sym­bo­li­sche Ak­tio­nen rei­chen uns nicht aus. Wir wol­len den di­rek­ten Wi­der­stand, der Fa­schis­ten und ihre Sym­pa­thi­san­ten an dem hin­dert, was sie ge­ra­de tun!

Für den 01.06.2013 in Wolfs­burg be­deu­tet das, dass wir dort sein wer­den, wo die Fa­schis­ten sind!

Foto: Den Na­zi­auf­marsch in Wolfs­burg ver­hin­dern!</p><p>Unter dem Motto „Tag der deut­schen Zu­kunft“ wol­len Nazis am 1. Juni 2013 in Wolfs­burg auf­mar­schie­ren und ihr ras­sis­ti­sches und na­tio­na­lis­ti­sches Ge­dan­ken­gut auf die Stra­ße tra­gen. Unter dem­sel­ben Motto fan­den be­reits Auf­mär­sche in Pin­ne­berg, Hil­des­heim, Braun­schweig/Peine und Ham­burg statt. Mitt­ler­wei­le hat sich der „Tag der deut­schen Zu­kunft“ zu einem der wich­tigs­ten jähr­li­chen Er­eig­nis­se für Nazis in Nord­deutsch­land ent­wi­ckelt. Aber auch der Wi­der­stand stei­gert sich jedes Jahr.</p><p>Auf Grund der star­ken an­ti­fa­schis­ti­schen Mo­bi­li­sie­rung im Vor­feld gegen den Auf­marsch in Braun­schweig 2011, wurde le­dig­lich eine Kund­ge­bung er­laubt. Die Nazis muss­ten nach Peine aus­wei­chen, wo sich ihnen wie­der zahl­rei­che Men­schen in den Weg stell­ten, nur durch das ge­walt­sa­me Vor­ge­hen der Po­li­zei, war es ihnen mög­lich zu mar­schie­ren. Auch in Ham­burg tra­ten meh­re­re tau­send An­ti­fa­schis­tIn­nen den Nazis ent­schlos­sen ent­ge­gen. Erst mit gro­ßer Ver­spä­tung und auf stark ge­kürz­ter Route, die immer wie­der ge­än­dert wer­den muss­te, konn­ten sie lau­fen. Auch dies­mal war es die Po­li­zei, die ihnen den Raum schuf, sich zu be­we­gen.</p><p>Wir wer­den nicht ta­ten­los zu­se­hen, wenn die Nazis in Wolfs­burg ver­su­chen ihren Auf­marsch durch­zu­füh­ren. Dem wer­den wir ent­schlos­sen und mit allen Mit­teln ent­ge­gen­tre­ten!</p><p>Be­tei­ligt euch am 1. Juni 2013 an den an­ti­fa­schis­ti­schen Ak­tio­nen in Wolfs­burg damit wir den Na­zi­auf­marsch ge­mein­sam ver­hin­dern!</p><p>DE­MONS­TRIE­REN! – STÖ­REN! – BLO­CKIE­REN! – VER­HIN­DERN!</p><p>„Deut­sche Zu­kunft“? Bleib mir vom Leib damit!</p><p>Hin­ter der Pa­ro­le einer deut­schen Zu­kunft steckt deut­sche Ver­gan­gen­heit. „Deutsch­land den Deut­schen“ steht in di­rek­ter Tra­di­ti­on der Blut- und Bo­den­ideo­lo­gie des deut­schen Fa­schis­mus und das Ge­re­de von „Über­frem­dung“ sug­ge­riert, es gebe eine eth­nisch-kul­tu­rell ho­mo­ge­ne Ge­mein­schaft, die es vor An­grif­fen von außen zu schüt­zen gelte. Diese Kon­struk­ti­on einer bio­lo­gisch de­ter­mi­nier­ten Schick­sals­ge­mein­schaft führt zur ge­walt­tä­ti­gen Aus­gren­zung und Er­mor­dung derer, die nicht in ihr ras­sis­ti­sches und männ­lich­keits­ori­en­tier­tes Welt­bild pas­sen.</p><p>Mit dem Auf­marsch in Wolfs­burg wol­len und kön­nen die Nazis auch an ras­sis­ti­sche Ein­stel­lun­gen der Mehr­heits­ge­sell­schaft an­knüp­fen: Große Schnitt­men­gen zeig­te zu­letzt eine Stu­die der Fried­rich-Ebert-Stif­tung auf, wo­nach ein Vier­tel der Deut­schen ras­sis­ti­sche Auf­fas­sun­gen ver­tre­ten. Als selbst er­nann­tes Sprach­rohr für das, was alle den­ken, sich aber nie­mand traue aus­zu­spre­chen, trat SPD-Mit­glied Thilo Sar­ra­zin auf, der pro­pa­gier­te, Deut­sche könn­ten zu einer Min­der­heit wer­den, und Deutsch­lands Gren­zen am liebs­ten dicht ma­chen würde. Dabei be­dient er sich neben kul­tur­ras­sis­ti­schen Ar­gu­men­ten auch kru­der Bio­lo­gis­men, wenn er be­haup­tet, Mi­gran­tIn­nen seien eine „ge­ne­ti­sche Be­las­tung“. Auch CSU-Mi­nis­ter­prä­si­dent Horst See­ho­fer hätte es nicht deut­li­cher sagen kön­nen, als er mit der Äu­ße­rung, er werde sich „bis zur letz­ten Pa­tro­ne gegen eine Zu­wan­de­rung in die deut­sche So­zi­al­sys­te­me sträu­ben“, auf Stim­men­fang ging.</p><p>Staat und Fa­schis­ten Hand in Hand</p><p>Wenn über Nazis ge­spro­chen wird, sagen viele, dass die sich von al­lei­ne er­le­di­gen wer­den, wenn sie kei­ner be­ach­tet. Was dabei her­aus­kommt, wenn Nazis auf Teu­fel komm raus igno­riert wer­den, wurde uns erst im No­vem­ber 2011 wie­der blu­tig vor Augen ge­führt. Über 10 Jahre konn­te eine be­waff­ne­te Un­ter­grund­grup­pe, die sich selbst als „Na­tio­nal­so­zia­lis­ti­scher Un­ter­grund“ (NSU) be­zeich­ne­te, unter den Augen der Be­hör­den zahl­rei­che Morde, An­schlä­ge und Bank­über­fäl­le be­ge­hen. Die Po­li­zei, Po­li­tik und Me­di­en waren sich sehr schnell einig, dass sich hin­ter den Mor­den „aus­län­di­sche, kri­mi­nel­le“ Ma­chen­schaf­ten ver­ber­gen wür­den und prä­sen­tier­ten der Öf­fent­lich­keit die so­ge­nann­ten „Dö­ner­mor­de“. Kaum je­mand, außer den Freun­dIn­nen und An­ge­hö­ri­gen der Mordop­fer, schien die Er­klä­run­gen für die Morde an­zu­zwei­feln, ge­schwei­ge denn, Nazis als Mör­der über­haupt in Be­tracht zu zie­hen. Noch 2008 ließ der da­ma­li­ge nie­der­säch­si­sche In­nen­mi­nis­ter Uwe Schü­ne­mann nach di­ver­sen Waf­fen­fun­den in Süd­nie­der­sach­sen ver­lau­ten, Nazis hätte nur eine Af­fi­ni­tät zu Waf­fen, sie wür­den sie aber nicht ein­set­zen, wes­halb auch keine Ge­fahr von ihnen aus­ge­he.</p><p>Seit Auf­nah­me der Ar­beit der „Un­ter­su­chungs­kom­mis­sio­nen“ wer­den immer wie­der ent­spre­chen­de Akten durch den Ver­fas­sungs­schutz ge­schred­dert – an­geb­lich jedes Mal aus Ver­se­hen. Man muss schon ver­dammt viel guten Wil­len, bes­ser ge­sagt Nai­vi­tät, auf­brin­gen, um bei all den an­geb­li­chen „Pan­nen“, “Un­ge­reimt­hei­ten“, „Kom­mu­ni­ka­ti­ons­schwie­rig­kei­ten“ und „struk­tu­rel­len Pro­ble­men“ das Ge­fa­sel von „Ver­se­hen“ noch zu glau­ben. Viel­mehr spricht alles dafür, dass we­nigs­tens Teile der Ge­heim­diens­te und der Po­li­zei­be­hör­den aktiv den Ter­ror des NSU ver­tuscht, ge­schützt und ge­stützt haben.</p><p>Die Un­ter­stüt­zung von Nazis hat bei den deut­schen Ge­heim­diens­ten be­reits eine lange Tra­di­ti­on. Nach dem zwei­ten Welt­krieg wur­den diese mit maß­geb­li­cher Be­tei­li­gung von Na­zi­funk­tio­nä­ren auf­ge­baut. Es ist nicht das erste Mal, dass west­li­che Ge­heim­diens­te Nazis mit Waf­fen ver­sor­gen. Ab den 1950er Jah­ren bis zum Ende der So­wjet­uni­on fi­nan­zier­ten und bil­de­ten west­eu­ro­päi­sche Ge­heim­diens­te und die CIA pa­ra­mi­li­tä­ri­sche Na­zi­ein­hei­ten aus, die bei einem po­ten­zi­el­len Krieg gegen die So­wjet­uni­on Ter­ror und Sa­bo­ta­ge­ak­te ver­üben soll­ten. Nach ihrem ita­lie­ni­schem Ab­le­ger wird diese Or­ga­ni­sa­ti­on seit ihrer Auf­de­ckung in den 1990er Jah­ren „Gla­dio“ ge­nannt. Der Fall NSU ist also kei­nes­wegs ein Ver­sa­gen, son­dern Aus­druck der Kon­ti­nui­tät in­ner­halb die­ser In­sti­tu­ti­on. Aus den per­so­nel­len und ideo­lo­gi­schen Über­schnei­dun­gen er­gibt sich bis heute ihre kon­se­quen­te Ver­fol­gung lin­ker Struk­tu­ren bei gleich­zei­ti­ger Un­ter­stüt­zung fa­schis­ti­scher Ter­ror­grup­pen.</p><p>Mit ak­tu­el­len „Bil­dungs­an­ge­bo­ten“, Aus­stel­lun­gen und Ver­an­stal­tun­gen an Schu­len, Rat­häu­sern oder in an­de­ren ge­sell­schaft­li­chen Be­rei­chen ver­sucht der Ver­fas­sungs­schutz, mit ideo­lo­gi­scher Rü­cken­de­ckung aus den Rei­hen der schwarz-gel­ben Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on, in der Öf­fent­lich­keit die so­ge­nann­te Ex­tre­mis­mus­theo­rie als das Maß der Dinge durch­zu­set­zen. Eben jene, die für Krieg, Na­zi­ter­ror, Ab­schie­bun­gen und der­glei­chen die ge­setz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen be­reit­stel­len, bas­teln sich eine ge­sell­schaft­li­che Mitte (in der sie selbst ste­hen) und einen darum her­um­lau­fen­den Rand. Je nach ge­sell­schaft­li­chen Kräf­te­ver­hält­nis­sen, wird dann mal dies oder dann mal das als „links­ex­trem“, „rechts­ex­trem“ oder als „aus­län­di­scher Ex­tre­mis­mus“ ver­kauft – auf jeden Fall wird es als nicht zur „Mitte“ ge­hö­rend dar­ge­stellt und ist ent­spre­chen­der ge­sell­schaft­li­cher Äch­tung bzw. staat­li­cher Re­pres­si­on aus­ge­setzt. So wird das Be­kennt­nis zu einem an­ti­fa­schis­ti­schen Selbst­ver­ständ­nis und die Be­tei­li­gung an Blo­cka­den be­reits als „links­ex­trem“ dif­fa­miert und durch den Staat kri­mi­na­li­siert.</p><p>Un­se­re Po­li­tik endet nicht mit dem Kampf gegen Na­zi­auf­mär­sche. Uns geht es nicht aus­schließ­lich darum, der NPD oder an­de­ren Na­zi­grup­pen ent­ge­gen­zu­tre­ten, son­dern sich jedem ras­sis­ti­schen und na­tio­na­lis­ti­schem Den­ken und Han­deln zu wi­der­set­zen – egal wo und wie es sich zeigt. Neben der Not­wen­dig­keit, den Nazis das Leben so schwer wie mög­lich zu ma­chen, gilt es auch, die Ur­sa­chen zu be­kämp­fen, die zur Ent­wick­lung re­ak­tio­nä­rer Ein­stel­lun­gen füh­ren. Dafür ist es wich­tig, die Per­spek­ti­ve einer eman­zi­pa­to­ri­schen, fort­schritt­li­chen Ge­sell­schaft zu for­mu­lie­ren und vor­an­zu­trei­ben! Wir las­sen uns dabei weder von einem Staat ein­schüch­tern, der den Na­zi­ter­ror erst mög­lich macht, noch las­sen wir uns un­se­re Pro­test­for­men von die­sem Staat oder an­de­ren In­sti­tu­tio­nen dik­tie­ren! Ein “Ge­sicht zei­gen gegen Rechts”, eine “Meile der De­mo­kra­tie” mit Gril­len und Sau­fen gegen Rechts oder an­de­re sym­bo­li­sche Ak­tio­nen rei­chen uns nicht aus. Wir wol­len den di­rek­ten Wi­der­stand, der Fa­schis­ten und ihre Sym­pa­thi­san­ten an dem hin­dert, was sie ge­ra­de tun!</p><p>Für den 01.06.2013 in Wolfs­burg be­deu­tet das, dass wir dort sein wer­den, wo die Fa­schis­ten sind!

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